April, April

Endlich ist es mal wieder Ahrzeit!

Ihr wisst nicht, was das ist? Ahrzeit ist die Zeit, die man als Helfer vor Ort im Ahrtal bei neuen Freunden verbringt, ein unglaublich befriedigendes Gefühl, zumindest ein klein wenig beim Wiederaufbau dabei zu sein. Falls ihr das nicht kennt, wir nehmen immer noch gerne Helfer mit vor Ort.

Dieses Mal geht es früh in der Woche Richtung Altenburg, am Donnerstag habe ich einen Termin bei der Firma Schlau in Bonn. Der Herr Becker dort hat uns eine Liste mit Material zusammengestellt, welches wir an das Versorgungscamp weiterleiten können. Gleichzeitig kann ich dann hochwertige Mineralfarbe mitnehmen, damit möchte ich den Vorratskeller anlegen.

Die Fahrt nach Bonn ist nicht angenehm, es stürmt und regnet heftig, stellenweise muss ich Schrittgeschwindigkeit fahren. Dafür geht es dann in Bonn schnell, das Material steht schon auf einer Palette bereit, die Listen nehme ich mit nach Altenburg. In so einem gut sortierten Fachmarkt muss ich mich schon zusammenreißen, es gibt so tolles Material und Werkzeug. Ich bleibe besonnen und nehme nur mit, was auf dem Einkaufszettel steht.

Dann lerne ich mal wieder, wie verpeilt man in der modernen Zeit ist: Ich sage dem Navi “Nach Altenburg fahren” und folge stur den Anweisungen, ohne viel zu schauen. Schon an der ersten Autobahnabzweigung denke ich mir, das ist aber falsch. Ich schaue aufs Navi und stelle fest, dass als Zielort Altena bei Lüdenscheid angegeben ist. Das kommt davon, wenn man durch den Bart ins Navi nuschelt. An der nächsten Abfahrt wird die Richtung gewechselt und es geht nach Altenburg. Den Ort Altena sollte ich am Freitag noch einmal hören, aber in einem traurigen Zusammenhang.

In Altenburg geht dann der erste Weg ins Versorgungscamp, im Angebot habe ich Voll- und Abtönfarbe in Orange, Chromgelb, Blau, Oxydgrün, Nachtblau und und und. Wird gebraucht, kann ich also vermitteln. Check.

Zum Mittagessen ins Verpflegungszelt, dort ist kaum etwas los, nur der Stammtisch ist besetzt. Ich treffe aber Sandra, für ihre Mutter haben wir dieses Wochenende eine große Überraschung. Da freuen wir uns riesig drauf! Wir verabreden uns für Samstag, Frank und Jens wollen ja auch noch nach Altenburg kommen.

Gestärkt geht es zu Frank Faltin in die Kreuzberger Straße, da ist der Vorratskeller diese Woche mein Arbeitsplatz. Wir hatten neulich schon Platz gemacht, der Rest ist schnell geräumt und ich kann loslegen. Ich bin selbst gespannt, wie der Raum mit frischer Farbe ausschaut. Licht und Strom hatten Jens und Dirk ja bei dem letzten Besuch gelegt.

Den Fortschritt habe ich mal in der Fotogalerie zusammengefasst. Anstreichen ist ja immer eine dankbare Aufgabe, aber hier ganz besonders. Es tut richtig gut, zu sehen, wie die Wand in das satt deckende Weiß getaucht wird. Draußen regnet und stürmt es weiter, aber in dem Kellerraum bekomme ich davon nichts mit, der Ofen macht mollig warm. Da kann die Farbe gut trocknen.

Am Abend schauen wir abwechselnd Darts und Fußball im Fernsehen, beides spannend. Horst ist Regelfest und kann einige meiner Fragen zu Darts beantworten. Da lerne ich auch noch was. Van Gerwen gewinnt, spektakulär, wie der die Scheibe trifft.

Auf dem Weg zum Frühstück komme ich am Freitagmorgen am Versorgungscamp vorbei, dort sagt ein Schild: “Heute geschlossen”. Im Verpflegungszelt erfahre ich auch warum: Frank Herbel aus Altena ist gestorben und wird heute beerdigt, die Mannschaft erweist ihm die letzte Ehre.

Ohne Frank gäbe es das Versorgungscamp in der Form wohl nicht, auch er war Altenburg zutiefst verbunden. R.I.P., Frank!

Den Tag über bin ich weiter im Vorratsraum beschäftigt, es geht voran. Bis Frank und Jens eintreffen bin ich dann für heute auch fast fertig,am Abend hocken wir gemütlich bei Schwenker und einem Schoppen aus Rheinhessenwein. Auch hier lernen wir wieder etwas: es gibt nicht nur Flutwein, auch Sprudel gibt es in der Flut Ausgabe mit Schlamm!

Ahrtal Quelle – Flut Edition

Am Samstag streiche ich fertig, so weit wie ich kann, in der Zwischenzeit kümmern Frank und Jens sich um die abgehängte Decke in der Küche. Die LED-Panelen sind vor kurzem eingetroffen und können montiert werden. Frank hat eine Poliermaschine dabei und bringt die Deckenplatten auf Hochglanz. Der Lichtschacht wird auch noch verkleidet, da kommen durchscheinende Platten drunter, saubere Lösung!

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Dann kommt der große Augenblick, Sandra und Achim sind daheim und wir können endlich die Überraschung präsentieren! Mit ein Grund für die Gründung unseres Vereins ist es ja, der Familie Weingarten beim Wiederaufbau zu helfen. Um das Haus haben sich ja die Handwerker von der Bergstraße in beeindruckender Weise gekümmert, aber wir können auch noch einen Beitrag leisten: Wir haben für die beiden Mädels und für die Mama von Sandra je einen Einkaufsgutschein im Wert von 5000 Euro besorgt.

5000 € für die Mädels

Stellvertretend nehmen Achim und Sandra den Gutschein für die Töchter in Empfang. Beide Gutscheine waren nur möglich durch die großzügigen Spenden, sowohl direkt an unseren Verein, aber auch beim Marktfrühstück.

5000 € für Ottilie

Auch die Spende für Ottilie nehmen die beiden entgegen, dafür werden Möbel angeschafft, es sind ja keine mehr da!

An der Stelle eine Anmerkung: ich werde oft gefragt, ob wir immer noch ins Ahrtal fahren und die Antwort ist: Ja, das tun wir! Es ist noch sehr viel Arbeit und Geld notwendig, bis es dort wieder einen Hauch Normalität gibt. Vereinzelt sind die Arbeiten abgeschlossen, aber nur zum kleinsten Teil. Auch wir brauchen weiterhin Unterstützung, um unser Ziel erreichen zu können. Spenden könnt ihr an uns gleich hier:


In Altenburg sollen noch, selbst nach 8 Monaten, noch bis zu 20 Haeuser abgerissen werden, immer noch stehen viele Familien vor dem kompletten Verlust ihres Zuhauses. 2 Häuser habe ich allein in den paar Tagen fallen sehen. Also bitte: bleibt weiter großzügig mit der Hilfe, sie wird gebraucht! Auf dem Foto ein Beispiel, furchtbar viel Arbeit in die Sanierung gesteckt und es hat doch alles nichts genutzt: Heizöl machte das stattliche Haus unbewohnbar.

Abriss nach Monaten mit unendlich viel Arbeit

Später fahre ich Sandra noch an das Verteilzentrum in Gelsdorf, hier konnten sie eine gespendete Waschmaschine entgegennehmen. Ich bin das erste Mal da oben, toll organisiert und Moni hat uns ein wenig von der Arbeit da erzählt. Auch dort wird weiter jede Hilfe gebraucht, die Probleme im Ahrtal sind ja nicht auf einmal weg, das wird noch sehr lange dauern!

Am Verteilzentrum für Spenden, Danke!

Wieder zurück mache ich meine Arbeit fertig, zum guten Schluss findet der Feuerlöscher wieder seinen Platz. Das sieht doch alles schon wieder sehr normal aus! Das Loch mache ich nächstes Mal zu, ich wollte nicht wegen einer handvoll Material extra ins Versorgungscamp.

Sieht wieder normal aus

Gegen halb vier, pünktlich zum Beginn des Spiels Köln gegen Mainz, bin ich mit allem fertig und schwinge mich ins Auto. Ich hätte gerne noch das Spiel geschaut und mitbekommen, wie die beiden Franks sich hochnehmen, aber ich will auch wieder heim.

Unterwegs höre ich dann, dass es zur Halbzeit 0:1 für Mainz steht. Hoffentlich können die das halten.

Zu Hause lerne ich dann, dass die Befürchtungen von unserem Frank berechtigt waren: 0:1, 0:2, 1:2, 2:2 und dann noch 3:2. Na ja, ein Frank war da wohl trotzdem zufrieden! Ein Unentschieden hätte es aber auch getan, oder?

Am Sonntag schickt Jens mir dann noch ein Foto, die sind fertig geworden wie gedacht. Die Lichtpaneele sind wirklich toll, keine Leuchten mehr, die schwierig zu reinigen sind.

Wow, das sieht gut aus.

Es macht halt doch mehr Spaß, etwas aufzubauen als nur abzureißen und Schlamm zu entfernen. Das hat sich diese Woche wirklich gelohnt und uns auch wieder zufrieden gemacht, wir freuen uns schon auf den nächsten Einsatz.

Und was die Überschrift angeht: Nein, der Bericht ist kein Aprilscherz, das ist alles so passiert!

On the road again

“Just can’t wait to get on the road again” singt Willie Nelson in seinem Lied, aber da heisst es auch “Goin’ places that I’ve never been”. Das ist allerdings bei mir nicht der Fall: Es geht wieder nach Altenburg.

Bevor ich losfahre etwas Hintergrund, wie es zu der gestrigen Tour kam: Das Versorgungscamp hatte uns ja eine Liste mit gesuchtem Material geschickt, auf der Liste stand unter Malerbedarf auch die Bitte um weiße Farbe. Angela ist ja eben ihr Haus am Renovieren und hat sich bei der Farbe für Farben der Farbwerke Meffert in Bad Kreuznach entschieden. Mir kam da der Gedanke, dass es ja nicht schaden kann, mich einmal dort mit einer Bitte um eine Materialspende zu melden.

Kurz vor Weihnachten schicke ich eine E-Mail mit der Anfrage da hin, im neuen Jahr melde ich mich dann gleich noch einmal telefonisch. Es ist Montag und die supernette Dame am Telefon bittet mich, mich dann am Freitag noch einmal zu melden, um nachzufragen.

Ich rufe also an und die Antwort ist: Wir haben Ihnen eine Palette mit circa 300 Liter weißer Farbe fertig gemacht. Da will ich nicht lange warten und habe für Montag (mal wieder) den Bus von Alex organisiert, die erste Fahrt am Montag geht dann nach Bad Kreuznach. Empfangen werde ich von Peter Meffert und wir haben etwas Zeit, um über die Lage an der Ahr zu sprechen. Die Firma Meffert engagiert sich bereits umfangreich an der Ahr und hat zum Beispiel einen betroffenen Kollegen sehr großzügig unterstützt.

Vor Tor 8 steht dann schon der Stapler mit der Palette bereit, ruckzuck ist die eingeladen.

Ruckzuck verladen

Weiter geht es zu Ernst-Ludwig nach Schornsheim. Der hat einen 1200 Liter Öltank, den wir an Frank Faltin vermittelt haben. Ernst-Ludwig hat auch alles bestens vorbereitet, der Tank steht gesichert auf Rollbrettern. Zwei seiner Söhne sind da, um zu helfen, und so geht auch hier alles zügig voran. Die Rampe an Alex’ Wagen ist Gold wert! Ich konnte den Tank halt erst als zweites verladen, ich wusste ja nicht, ob er noch hinter die Palette passt. Der steht so press, da musste ich noch nicht mal etwas verzurren.

Während wir den Tank verladen unterhalten wir uns und Ernst-Ludwig wird neugierig. Nachdem er sich vergewissert hat, dass ich noch am Abend wieder daheim bin, trifft er spontan die Entscheidung: Ich fahre mit.

Kein Problem, er isst noch schnell zu Mittag (Kohlrouladen, sehen lecker aus); ich bin auch eingeladen, aber noch vom Frühstück satt.

So sitzen wir dann zusammen im Transporter auf dem Weg nach Altenburg, es gibt viel zu erzählen und die Fahrt vergeht wie im Flug.

Der erste Weg geht dann zu Frank, hier laden wir den Tank aus. Frank parkt sein Auto um, und so kann ich hoch bis an die Terrasse vorm Haus fahren. Wir sind zu viert, Frank, Horst, Ernst-Ludwig und ich. Ein paar Heizkörper verschoben und wir haben Platz genug, um bis in den Vorratsraum zu fahren. Dank Rampe und Rollbrettern alles kein Problem, hätte ich nicht gedacht!

Bisher hat Frank sich mit 200 Liter Fässern provisorisch beholfen, um die Heizung mit Öl zu versorgen. Die mussten mühsam mit Kanistern befüllt werden. Mit dem großen Tank kann jetzt endlich auf (etwas) Vorrat getankt werden. Alles hilft!

Dann bei Weingartens vorbeigeschaut, ist aber niemand da. Es steht aber schon der ganze Putz im Hof, da geht es wohl bald wieder rund!

Weiter zum Versorgungscamp, hier geht es auch wieder rasend schnell, unter der Woche im Winter ist halt wenig Betrieb.

Bizepstraining

Es gibt Gott sei Dank Betroffene, die schon wieder Farbe gebrauchen können, von Achims Schwager weiß ich, dass seine Familie zwischen den Jahren schon wieder in ihr Haus zurückkonnten. Nicht viele sind so weit, aber dass es das überhaupt gibt, macht schon Hoffnung.

So, jetzt noch zu Werner, um die Sachspenden loszuwerden. Heute haben wir 3 Nähmaschinen, einen Eierkocher, eine Heißluftfritteuse und die fehlende Fernbedienung der kleinen Stereoanlage dabei. Alles schon vermittelt.

Vera hat mir aus dem Verpflegungszelt einen Teller mit Nudeln und Schweinegulasch besorgt, in der Mikrowelle wird das schnell warm gemacht, jetzt habe ich auch Hunger. Das Gulasch ist gut und Werner bestätigt, dass sie mit den Mahlzeiten im Zelt zufrieden sind. Gott sei Dank, da gab es ja die schlimmsten Befürchtungen.

Trotzdem ist Vera geknickt, kein Wunder: in der neuen Küche gibt es keinen Herd oder Kühlschrank, die Chips fehlen für die Platinen, nicht lieferbar. Der Tisch wirft auf der Oberfläche eine Beule und es wurden falsche Dachfenster verbaut. Jetzt könnte es endlich vorangehen und dann so ein Mist, ich kann gut verstehen, dass nach der ganzen Anspannung die Nerven blank liegen und sie am liebsten losheulen möchte. Das ist nicht mit einem Shit happens abgetan, leider. Trotzdem: Den Mut nicht verlieren!

Ernst-Ludwig und ich sitzen dann wieder im Transporter und machen uns auf den Heimweg, wieder einmal durch den Tunnel und dann durch das geschundene Tal. Es wird so langsam dunkel und die Narben sind nicht ganz so deutlich zu sehen, trotzdem ist Ernst-Ludwig beeindruckt und geschockt. Er meint, erst jetzt kann er die Bilder aus dem Fernsehen und der Zeitung etwas einordnen, da kann ich ihm nur recht geben.

In Gensingen noch schnell an die Tanke, dann sind wir auch schon wieder daheim. On the road again ist schön, aber daheim ist auch wieder schön!

Auf der Couch checke ich dann noch mal meine Nachrichten, Jens hat sich gemeldet: Die Sammelaktion mit der Spendenbox beim Angelverein Wörrstadt/Wallertheim hat 210 € ergeben, geht wie immer alles an die Ahr, Dankeschön!

Sammelaktion Angelverein

Bedanken möchte ich mich auch nochmal bei den Farbwerken Meffert für die Unterstützung und selbstverständlich bei Ernst-Ludwig für die kurzweilige Unterhaltung!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – Weihnachtszeit im Ahrtal

Jetzt ist tatsächlich schon der erste Advent, schon viereinhalb Monate seit der Katastrophe. Damit die Weihnachtszeit in Altenburg trotzdem eine entsprechende Stimmung bekommt, habe ich auf Facebook um Dekospenden gebeten. Der Aufruf war sehr erfolgreich und ich konnte das Auto voll mit wirklich schönen Objekten packen.

Gut gelaunt mache ich mich daher am letzten Samstag auf nach Altenburg, die Straßen sind frei, im Hunsrück gibt es eine leichte Schicht Schnee auf den Bäumen am Rande der Autobahn.

Als ich dann in Altenburg ankomme muss ich doch noch ein Bild von dem bepackten Weihnachtsschlitten machen, voll bis unters Dach.

Schlitten
Schlitten, voll bis unters Dach

Als erste Aktion geht es dann aber nicht in das Verpflegungszelt, mit Frank fahre ich nach Dernau zu Walter. Walter ist in Altenburg aufgewachsen, wohnt aber jetzt in Dernau und hat dort seinen Winzerbetrieb. Ihm sind alle seine Bütten weggeschwommen und in Saulheim konnten wir von einem stillgelegtem Betrieb 3 Stück in der richtigen Größe auftreiben. Die liefern wir heute aus.

Winzerbedarf
Winzerbedarf

Es macht richtig Freude, zu sehen, wie Frank sich über die gespendeten Bütten freut. Da ist sie wieder, die AHRitmetik:


#solidAHRität + #ichwAHRda = #dankbAHRkeit

Schnell den Carport frei gemacht und wir können die Dinger ausladen. Naja, ich lasse die zwei schaffen und mache ein Foto …

Walter ist der Erste, der von einem neuen Begriff im Tal berichtet, den “übergriffigen Helfern”. Die haben wir tatsächlich auch schon oft gesehen, in bester Absicht wird da bei dem Versuch zu helfen mehr kaputt gemacht als repariert. Zumindest sind wir da mit unserer Ansicht zu manchen Aktivitäten nicht allein.

Frank zeigt mir dann noch das Materiallager in Walporzheim, da war ich noch nicht. Sieht so aus, als seien die mittlerweile auf den Winter vorbereitet, gut so.

Zurück in Altenburg dann ab ins Verpflegungszelt, da gilt mittlerweile die 2G-Regel, die Pandemie macht auch vor dem Tal keinen Halt. Ich lade die Deko aus und nach Rücksprache darf ich dann die Weihnachtspyramide aufbauen.

Wegen der Brandgefahr wird sie leider nicht mit den Kerzen betrieben, aber mit ein paar LEDs beleuchtet sorgt sie dann trotzdem für weihnachtliche Stimmung.

Im Gasthof ist in der Zwischenzeit auch schon viel passiert, Frank und Weasel haben fast schon die ganze Unterkonstruktion der Küchendecke herausgeworfen. Die sind nicht übergriffig, die Decke bauen wir auch wieder ein! Und ein weiterer, wichtiger Schritt ist vollendet: Locke und Andre haben die Pumpen der Heizung wieder angeschlossen und es kann wieder geheizt werden. Check!

Dann gab es noch ein erstklassiges Gulasch, von Jenny mit Liebe gekocht, mit Serviettenknödel und Rotkraut, dazu die Sportschau. Mainz hat ja gestern schon in Stuttgart, wohl verdient, 2:1 verloren, dafür hat dann Köln im Derby mit Mönchengladbach geliefert. Zumindest ein Frank war dann froh (50 % aller anwesenden Franks …)

Später kam dann noch Jens, der hatte eine Überraschung für den Schwiegersohn von Werner dabei. Und ich musste mich fragen lassen, ob ich nicht doch der wahre Santa sei … Vor dem geschmücktem Baum sitzend kann ich die Frage irgendwie verstehen.

Der wahre Santa?
Der wahre Santa?

Die Überraschung liefern wir dann am Sonntag aus. Jan ist in der Katastrophennacht sein 3er Kombi abgesoffen, während er mit einer Schar Landwirten und schwerem Gerät als einer der ersten Helfer vor Ort im Einsatz war.

Wunschbrunne liefert
Wunschbrunne liefert

Gepimpt mit einem Wunschbrunne Aufkleber übergibt Jens den gespendeten 3er an Jan, Katharina und Josi. Das war schon ein besonderer Augenblick. Nochmal AHRitmetik, ihr wisst schon.

Ich kümmere mich dann noch um das Dach vom Leergutlager, als ich das letzte Mal aus dem Fenster von Zimmer 9 geschaut habe sah das noch so aus:

Dachbegrünung
Dachbegrünung

Als ich dann fertig bin, sieht es so aus:

Erledigt
Erledigt

Unglaublich, wie schwer dieser übriggebliebene Schlamm aus der Ahr ist, etliche Schubkarren lagen da auf dem Dach.

Nach getaner Arbeit können wir uns auf den Heimweg machen, ich fahre über Bitburg und liefere noch eine Geburtstagsüberraschung bei meinem Bruder ab. Die musste ich persönlich übergeben, aber das ist eine andere Geschichte.

Als ich dann endlich zufrieden auf der Couch liege kommt sie mir wieder in den Sinn, die AHRitmetik:

#solidAHRität + #ichwAHRda = #dankbAHRkeit

#dankbAHRkeit

Ich muss zugeben, ich war schon ein wenig stolz, als ich das Schild von Achim anlässlich des Marktfrühstücks auf dem Rathausplatz aufhängen durfte, fasst es doch so schön auf rheinische Art die Katastrophe, aber auch die Hoffnung und Hilfe zusammen.

Gestern habe ich dann die Tafel wieder zurück ins Ahrtal, nach Altenburg, gebracht. Dort hängt sie nun prominent am Balkon.

Auf dem Weg nach Hause erzählt mir TeDe, der zum ersten Mal mit an die Ahr war, wie beeindruckt er von der unendlichen Dankbarkeit der Menschen im Tal wurde. Ja, man erlebt zutiefst zufriedenstellende Momente und ich bin froh, ein kleines Rad in der großen Hilfemaschine sein zu dürfen.

Es gab auch wieder Schreckensgeschichten aus der Horrornacht, die müssen erzählt und gehört werden. Es macht jedes Mal wieder sprachlos, wenn man die Geschichten aus erster Hand geschildert bekommt.

Wir benötigen für unser Projekt immer noch jede Spende, auch kleinste Beträge helfen in der Summe. Seit kurzem akzeptiert gofundme auch Paypal, die Hürde zu spenden ist also nicht mehr ganz so hoch. Hier geht es lang: https://bit.ly/3k9BSLJ

So beeindruckt wie TeDe war, dachte ich: Das ist doch ein eigenes Design wert und siehe da: hier ist es. Für alle, die die herzerwärmende Dankbarkeit erfahren durften und als Motivation, weiterzuhelfen:

Ahrtal Arithmetik

Deutsche Sprache, …

… schwere Sprache.

Es heißt immer so schön: bei der Flut Anno Irgendwas stand das Wasser soundso hoch.

Um mal einen Eindruck zu vermitteln: Hier kehrt in Kreuzberg mit ein paar Blumen etwas Normalität zurück. Die wurden gestern gepflanzt und ich hatte nicht genug Daumen, die ich den Gärtnern zeigen konnte.

Wie hoch das Wasser „stand“ seht ihr einfach an der Linie auf dem Haus links.

Das „stehende“ Wasser hat direkt hinter dem Haus mit Eisenbahnschienen ein modernes Kunstwerk geformt. Hat wohl doch etwas mehr Kraft gehabt, oder?

Und in den Häusern haben Menschen gedacht, ihr Leben ist rum… Nur mal so, falls ihr noch überlegt, ob ihr spenden wollt!



Die Wohnungen sind übrigens alle im Arsch!

Ist das Kunst oder kann das weg?
Die Macht der Ahr in der Flutnacht

Das obige „Kunstwerk“ war wochenlang in Altenburg zu sehen, und da war schon viel geräumt …

Da lachst du dich kaputt, …

… das nennt man Camping, da lachst du dich kaputt, das findet man schön.

Das war eins von den Lieblingsliedern meines verstorbenen Bruders Marcel und stammt schon aus 1954. Wenn ein Lagerfeuer am Brennen war, hat er irgendwann immer das Lied angestimmt, es wurden Tränen gelacht. Daran musste ich denken, als ich den Wohnwagen angehangen habe.

Und in Altenburg hieß es dann: die neue Außenstelle vom Gasthof Faltin in Altenburg wurde heute eingerichtet!

Nein, im Ernst: als Jens gestern am Versorgungszelt in Altenburg war, hat er Julia kennengelernt. Die schiebt dort Dienst und pennt in der Garage zwischen Baumaterial auf einem Feldbett.

Ein paar Anrufe von Jens später, und Willi von Lost and Found Saulheim hat seinen Wohnwagen zur Verfügung gestellt, den habe ich heute nach Altenburg hochgebracht. Frank vom Gasthaus Faltin hat es uns erlaubt, den Wohnwagen vor seinem Haus abzustellen.


Übrigens, mein neuer Lieblingsjoke:
Paarschippen: alle 11 Minuten verliebt sich ein Helfer ins Ahrtal!